Der Gründer kommt zurück – und das ist keine Nostalgie-Story
Im Januar 2026 hat Mark Mastrov gemeinsam mit LongRange Capital die Kette 24 Hour Fitness übernommen. Mastrov kehrt als Executive Chair zurück, CEO Karl Sanft bleibt an Bord. Für die Fitnessbranche ist das kein gewöhnlicher Deal.
Es ist der gleiche Mann, der die Kette ursprünglich aufgebaut und 2005 für 1,6 Milliarden Dollar verkauft hat. Seitdem hat er Crunch Fitness von einer handvoll Clubs zu über 550 Standorten entwickelt, bevor er auch dieses Unternehmen 2025 veräußerte. Mastrov ist damit einer der erfahrensten Gym-Operatoren in den USA – und jetzt greift er wieder nach seiner ersten großen Schöpfung.
Was auf den ersten Blick wie eine sentimentale Rückkehr wirkt, ist in Wirklichkeit eine klare Investitionsthese: Ein Gründer, der eine Kette besser kennt als jeder externe Investor, kauft sie zu einem Zeitpunkt, an dem sie strukturell geschwächt, aber operativ noch relevant ist. Das ist kein Zufall.
Was COVID mit 24 Hour Fitness gemacht hat
Vor der Pandemie betrieb 24 Hour Fitness rund 420 Standorte quer durch die USA. Dann kam COVID-19. Die Kette musste 2020 Insolvenzschutz beantragen, schloss Dutzende Clubs dauerhaft und schrumpfte auf etwa 240 Standorte. Der Schwerpunkt liegt heute konzentriert auf dem westlichen Teil der USA.
Das ist ein Rückgang von fast 43 Prozent der Gesamtfläche. Viele der geschlossenen Standorte befanden sich in Städten, in denen die Pandemie besonders lange nachwirkte. Gleichzeitig verlor die Kette Member, Mitarbeiter und Marktanteile an Wettbewerber, die schneller wieder öffneten oder ein flexibleres Modell hatten.
Die Übernahme durch Mastrov und LongRange Capital bringt jetzt frisches Kapital in das Unternehmen. Geplant sind umfangreiche Renovierungen bestehender Clubs sowie die Eröffnung neuer Standorte. Die Frage ist nicht, ob 24 Hour Fitness wachsen will – sondern wie schnell und wie klug das passiert.
Warum Mastrovs Track Record hier wirklich zählt
Es gibt viele Private-Equity-Firmen, die Gym-Ketten kaufen. Die meisten kennen Spreadsheets, aber keine Umkleidekabinen. Mastrov ist anders. Er hat 24 Hour Fitness von Grund auf gebaut, kennt das operative Modell von innen und hat bewiesen, dass er auch eine zweite Kette skalieren kann.
Bei Crunch Fitness hat er gezeigt, was möglich ist, wenn Kapital und Branchenwissen zusammenkommen. Von wenigen Clubs zu 550 Standorten. Das ist kein Glück. Das ist ein wiederholbares Playbook aus Standortauswahl, Franchisewachstum, Mitgliederstruktur und Markenpositionierung.
Für 24 Hour Fitness bedeutet das konkret:
- Glaubwürdigkeit bei Franchisenehmer-Gesprächen: Wer mit Mastrov am Tisch sitzt, sitzt mit jemandem, der das System selbst gebaut hat.
- Operative Entscheidungsgeschwindigkeit: Gründer treffen Entscheidungen schneller als Komitees. Das ist ein echter Vorteil beim Turnaround.
- Markenvertrauen nach innen: Mitarbeitende und Club-Manager wissen, wer Mastrov ist. Das schafft Stabilität in einer Phase, in der die Kette Orientierung braucht.
- Kapitaldisziplin: Wer eine Kette schon einmal für 1,6 Milliarden Dollar verkauft hat, denkt beim Wiederaufbau anders über Exit-Szenarien nach.
Dass CEO Karl Sanft an Bord bleibt, ist ebenfalls ein Signal. Mastrov übernimmt strategische Führung und Kapitalsteuerung, Sanft hält das operative Tagesgeschäft. Diese Kombination – Gründer-Vision plus bewährtes Management – ist selten und funktioniert, wenn sie gut kalibriert ist.
Was das für die gesamte Fitnessbranche bedeutet
Dieser Deal steht nicht allein. 2025 und 2026 haben sich zu Jahren des Konsolidierungsdrucks im Gym-Sektor entwickelt. Große Ketten kaufen kleinere, Private-Equity-Firmen rollen regionale Player auf, und Gründer kehren in die Branche zurück, die sie einst geprägt haben.
Der Trend ist eindeutig: Das Modell des eigenständigen, unabhängigen Fitnessstudios gerät unter Druck. Wer nicht skaliert oder Teil eines größeren Netzwerks wird, kämpft mit steigenden Mietkosten, Personalengpässen und dem Wettbewerb zwischen Boutique-Studios und Budget-Ketten gleichzeitig. Die Mitte des Marktes wird dünner.
Was Mastrovs Rückkehr für den Markt signalisiert, ist eine neue Qualität dieser Konsolidierungswelle. Es geht nicht mehr nur um Kapital. Es geht um operative Credibility. Investoren und Lender schauen inzwischen genauer hin, wer tatsächlich am Steuer sitzt. Ein Gründer mit nachgewiesenem Track Record verändert das Risikoprofil eines Deals fundamental.
Für dich als Beobachter der Branche lohnt es sich, diesen Turnaround genau zu verfolgen. Wenn Mastrov mit 24 Hour Fitness gelingt, was er bei Crunch getan hat, entsteht eine der stärksten Gym-Ketten im westlichen Amerika. Wenn nicht, ist es ein Lehrstück darüber, wann Erfahrung allein nicht ausreicht, um eine geschwächte Marke im globalen Fitnessmarkt zu retten.
Beides wäre lehrreich. Aber die Wetten stehen derzeit auf Mastrov.